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Leseprobe

Gerald stieg nach umfänglicher Restaurierung seines Selbst eine Dreiviertelstunde nach dem Anruf in den geschickten Peugeot der Gendarmerie, der ihn hinaus zum Leuchtturm am Point de la Coubre bringen sollte.

Im Polizeiwagen roch es nach Zigarettenrauch. Die beiden Gendarmen waren jung und wie aus einem Guß. Gerald saß im Fond und schaute sich die in gleicher Höhe wippenden Nacken mit den gleichen ausrasierten Haaransätzen vor seiner Nase an. Allmählich wurde ihm von dem Geschaukel schlecht. Er sah aus dem Fenster, suchte mit den Augen einen Punkt in der Landschaft, an dem sich sein Magen würde festhalten können.

Links von ihm lag das Meer. Rechts von ihm auf den Feldern gab es nichts zu sehen. Es war einfach sonnig, blau und grün und leer. Der Fahrer betrachtete ihn im Rückspiegel. Gerald hatte aus den Augenwinkeln die Bewegung des Kinns bemerkt. Er wandte den Kopf und sah herausfordernd in den Rückspiegel. Für Freundlichkeit war es ohnehin zu spät. In den letzten fünf Minuten hatte keiner gesprochen. Wer damit anfangen wollte, stünde als Verlierer fest. Der Blick des Fahrers huschte zurück auf den Asphalt und wanderte bald darauf wieder via Rückspiegel auf Gerald. Diesmal gewann die Neugier.

"Sie sind der Deutschübersetzer aus Paris?"

"Ich bin kein Übersetzer. Ich bin Kriminalkommissar", antwortete Gerald patzig. "Aber Paris stimmt", fügte er etwas gnädiger hinzu. Der Fahrer schwieg eine Minute. Dann hakte er vorsichtig nach.

"Monsieur, pardon, aber Sie können doch auf dem Campingplatz übersetzen, oder?"

"Zufällig hier, zufällig kann ich übersetzen, ist das ein Problem?" schnappte Gerald. Der Blick des Fahrers floh auf die Straße.

Gerald ärgerte sich über diesen jungen Hahn in seiner blauen Exaktheit mit den glänzenden Lederteilen - und über sich. Er war verkatert, gereizt und ungerecht. Von seiner Nonchalance, auf die er sich im Pariser Revier einiges einbilden konnte, war heute morgen nichts übrig.

"Ich bin gestern erst angekommen und ziemlich müde. Also, nichts für ungut", sagte er.

"Schon in Ordnung", antworteten die beiden Junghähne geflissentlich.

Er wußte, er war bei ihnen durchgefallen.

Der Wagen schwenkte nach links auf einen Feldweg. Das Schaukeln nahm zu. Entweder war dieser Weg ein als Abkürzung getarnter Racheakt des Fahrers, oder sie mußten bald da sein. Tatsächlich fuhren sie in eine Senke. Am Ende einer Landzunge konnte er den Leuchtturm sehen. Der Campingplatz mußte in der Nähe sein. Er hatte sich denken können, daß der Junghahn für Rache zu phantasielos war. Eine weitere Kurve, und er sah zwei Polizeiwagen, einen Krankenwagen und zwei Zivilfahrzeuge aufgereiht am Rand einer Böschung stehen. Ungefähr 100 Meter entfernt begann der Campingplatz. An der Einfahrt war der Schlagbaum geschlossen. Auf dem Platz standen einige Campingbusse und noch weniger Zelte. Menschen waren nicht zu sehen. Wahrscheinlich waren sie alle auf der improvisierten Strandparty, standen im Kreis und gruselten sich um die Wasserleiche.

Sie stiegen aus. Die frische Luft besserte seine körperliche Lage. Er genoß den Salzgeruch.
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